Allgemeine Informationen

Seit dem Jahr 2007 wird die Verockerung der Spree bei Spremberg und seit 2010 auch massiv auch an ihren südlichen Zuflüsse zum Spreewald beobachtet. Dieses Phänomen ist eine Spätfolge des Braunkohlenbergbaus im Lausitzer Revier. Über Jahrzehnte hat hier eine großflächige (2500 km²) und tiefgründige Grundwasserabsenkung zur Förderung der Braunkohle stattgefunden. Diese hat dazu geführt, dass im Boden gelagertes Pyrit verwittert ist. Die Verwitterungsprodukte werden nun mit dem Wiederanstieg des Grundwassers in Form von Eisenhydroxid und Sulfat in die Fließgewässer und Seen der Lausitz eingetragen.

Eisenhydroxid (Eisenocker) schwebt in Form kleinster Partikel im Wasser und lagert sich bei geringen Fließgeschwindigkeiten von unter 10 cm/s als rostroter Schlamm am Gewässerboden ab. Bei Erhöhung der Strömung wird das Eisenocker wieder mitgeschwemmt und flussabwärts verlagert. Ab einer Eisenkonzentration von ca. 3 mg/l setzt die Braunfärbung des Wassers ein.

Das Eisenocker ist für die menschliche Gesundheit nicht schädlich. Aber es beeinträchtigt die Lebensraumqualität der Gewässer für Pflanzen, Tiere und den Menschen. Die lebensfeindliche Ockerfracht verringert nicht nur die Sichttiefe in den Gewässern, sondern deckt auch die ökologisch aktiven Ufer und die Gewässersohle mit feinsten Ockerschlammpartikeln ab. So werden diese Lebensräume für die Wirbellosen wie Krebstiere, Muscheln und Insektenlarven unbewohnbar. Damit fällt die Nahrungsgrundlage für viele Fischarten aus, die wiederum zum Verschwinden von fischfressenden Arten wie Eisvogel, Schwarzstorch, Graureiher und den Fischotter führen. Der Eintrag von Eisenocker führt auch zur Vermehrung der Verschlammung in den Gewässern, weil organische Bestanteile wie Laub und Pflanzenreste unter diesen Bedingungen nicht mehr abgebaut werden können und das Eisenhydroxid weitere Schlammpartikel bindet.

Klassifikation der Eisenbelastung der Gewässer (Quelle: LUGV, 2013)

TFe [mg/l]BedeutungBewertungOptikökologische Folgen
< 0,125 Weniger als 25% des Salmonidengewässer-Grenzwerts Fe-armes Quellwasser glasklar optimale Entwicklung für Forellen, Steinfliegen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen
< 0,25 Weniger als 50% des Salmonidengewässer-Grenzwerts unbelastetes Bachwasser leicht trübe gute Entwicklung für Forellen, Steinfliegen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen
< 0,5 Salmonidengewässer-Grenzwert nur noch im Jahresmittel eingehalten eisenreiches Bachwasser milchig Entwicklung für Forellen, Steinfliegen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen eingeschränkt
< 1,5 Weniger als 50% des Cypriniden-Grenzwerts eisenreiches Flusswasser gelblich trübe gute Entwicklung für Cypriniden und mehrere robuste Steinfliegen-, Köcherfliegen- und Eintagsfliegenarten
< 3 Cypriniden-Grenzwert nur noch im Jahresmittel eingehalten mäßige Verockerung hellbraun flockig eingeschränkte Entwicklung für Cypriniden und selbst für robuste Steinfliegen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen
< 6 Cypriniden-Grenzwert im Jahresmittel um bis zu 100% überschritten starke Verockerung dunkelbraun flockig schlechte Entwicklung für Cypriniden, nur noch wenige robuste Steinfliegen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen
< 12 Cypriniden-Grenzwert im Jahresmittel um 100 - 300% überschritten extreme Verockerung grell orange Fischfauna tot
nur noch wenige robuste Wasserinsekten (Schlammfliege) überleben
> 12 Cypriniden-Grenzwert im Jahresmittel um >300% überschritten Versauerung grell orange bis klar Fauna tot;
nur noch robuste Wasserpflanzen (Wasserstern, säurezeigende Kieselalgen) überleben

TFe (mg/l) = Gesamt-Eisengehalt in mg/l
Salmoniden = forellenartige Fische / Forellen
Cypriniden = karpfenartige Fische Weißfische

Wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten wird, ist über die nächsten Jahre nicht nur mit der ökologischen Verödung der Spremberger Spree und der Talsperre Spremberg zu rechnen. Besonders brisant ist die Situation für den Spreewald, dem 6 teils hochgradig ockerbelastete Gewässer direkt zufließen. Bisher wird das Eisenhydroxid noch am südlichen Rand des UNESCO-Biosphärenreservates durch den Südumfluter abgefangen. Eine große Gefahr besteht aber auch durch die Ockerfracht, die sich aus dem Spremberger Raum über die Spree ausbreitet. Sie hat inzwischen die Talsperre Spremberg erreicht, die entgegen ihrer eigentlichen Funktion zur Hochwasserentlastung und Niedrigwasseraufhöhung nun auch als Flusskläranlage fungiert (s. Talsperre Spremberg). Wenn die Talsperre dieser Funktion als Rückhaltebecken für den rostroten Schlamm nicht mehr gerecht wird, verteilt sich das Eisenocker über die Spree im gesamten Spreewald.

Mit der Verockerung der Spree und ihrer Zuflüsse wird nicht nur der Lebensraum der Tier- und Pflanzenwelt zerstört. Damit ist auch die natürliche Grundlage des Tourismus im Spreewald und an der Talsperre Spremberg, sowie entlang der Spree akut gefährdet. Betroffen sind auch die traditionelle Spreewaldfischerei und die Angelfischerei sowie die Landwirtschaft.

Eine weitere Belastung der Spree erfolgt durch die Einleitung stark sulfathaltiger Sümpfungswässer. Bisher können die Grenzwerte für das aus Uferfiltrat gewonnene Trinkwasser in Berlin noch eingehalten werden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich der hohe Sulfatgehalt der Spree zu einem großen Problem für die Trinkwasserversorgung und die Gewässerökologie in der Region entwickelt.

Das Aktionsbündnis Klare Spree erhebt angesichts dieser Entwicklungen folgende Forderungen gegenüber der Politik und Behörden:

  1. Die Verlagerungen der Eisenockerfrachten in den südlichen Spreewaldzuflüssen müssen vor dem Spreewald abgefangen werden, um den Status des UNESCO-Biosphärenreservates und die natürlichen Grundlagen für den Tourismus, die traditionelle Spreewaldfischerei und den Angelsport sowie die Landwirtschaft nicht zu gefährden. Zudem stellt die Beräumung des Eisenockers im inneren Spreewald allein aus technischen Gründen ein fast unlösbares Problem dar. Darüber hinaus müssen bereits jetzt auch Maßnahmen zur Wasserbehandlung in den Quellgebieten der Eisenockerbelastung erfolgen, um die Spreewaldzuflüsse als Lebensräume zu sanieren und langfristig zu schützen.
  2. Den umfangreichen Untersuchungen und Planungen zur Belastung der Spremberger Spree mit Eisenhydroxid müssen endlich zielorientierte Maßnahmen folgen, die der weiteren Verockerung Einhalt gebieten. Geschädigte Spreeabschnitte sind zu renaturieren, wenn die weitere Belastung der Spree abgewendet ist.
  3. Die Talsperre Spremberg ist ein wertvoller Lebens- und Erholungsraum. Sie darf nicht zu einem Absetzbecken degradiert werden, das bei künftigen Hochwässern große Mengen von Eisenocker in den Spreewald schickt. Hier sind innovative Projekte gefordert, um den Eisenschlamm bereits vor dem Hauptbecken abzufangen und zu entsorgen.
  4. Der Aufschluss neuer Tagebaue im Lausitzer Revier darf nur erfolgen, wenn absolut sichergestellt werden kann, dass Folgeschäden der Spree und ihrer Zuflüsse durch Eisenhydroxid und Sulfat ausgeschlossen werden können. Bei der Planung und Genehmigung neuer Tagebaue sind deshalb die Risiken für den Wasserhaushalt und die Gewässergüte gewissenhafter und verantwortungsbewußter als bisher zu prüfen und zu bewerten. Die Folgen heutiger Entscheidungen zum Braunkohlenbergbau in der Lausitz dürfen nicht auf dem Rücken der kommenden Generationen abgeladen werden!

Die Aktivitäten des Aktionsbündnisses im Herbst und Winter 2012 / 2013 haben dazu geführt, dass der Brandenburger Landtag am 24.01.2013 einen einstimmigen Beschluss zur Eindämmung der Verockerung gefaßt hat. Die Landesregierung hat infolge dessen am 22. Februar 2013 ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der Verockerung eingeleitet (Infos dazu unter Aktivitäten gegen die Verockerung).