Auf den ersten Blick ist alles bestens. Mehr als 3500 Boote sind seit der Eröffnung vor einem Jahr durch die Schleuse im Koschenkanal zwischen dem Geierswalder und dem Senftenberger See gefahren. Auf den zweiten Blick wird jedoch ein Problem sichtbar. Am Ufer des Kanals sind braune Ränder zu sehen. Auch das Wasser hat mal mehr mal weniger stark einen bräunlichen Schimmer.

Die Ursache ist Eisenocker, das durch Verwitterung von Eisenverbindungen im Kippenboden entsteht und zusammen mit saurem Sulfat vom aufsteigenden Grundwasser in den Kanal getragen wird.

Der feinkörnige Ocker, der auch die Spree seit Monaten an einigen Abschnitten massiv belastet, ist nicht giftig. Er kann aber Jungfische und Kleinstlebewesen im Wasser schädigen. Und er ist durch die optische Wirkung "Gift" für den Tourismus.

Anfang April, als die Schleusensaison begann, war der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) als Betreiber des Koschenkanals kurz geschockt worden. Das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUVG) hatte angeordnet, dass die Schleuse zubleibt. Das Wasser war zu eisenhaltig. In dem im Winter geschlossenen Kanal hatte sich der Ocker abgesetzt.

Entscheidung im Herbst

Nach einigen Tagen wurde die Sperrung unter Auflagen wieder aufgehoben. Der Kanal muss nun regelmäßig durchspült, Eisen- und Säuregehalt gemessen werden. Im Herbst, wenn die Schleusensaison endet, soll entschieden werden, wie es weitergeht.

"Wir hoffen, bis dahin genügend Informationen zu haben", sagt Dorothee Bader, Referatsleiterin Naturschutz und amtierende Leiterin der Regionalabteilung Süd des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) in Cottbus. Denkbar wäre eine bestimmte Bewirtschaftung der Schleuse oder eine ständige leichte Spülung am Kanalboden, auch wenn die Schleusentore zu sind.

Zurzeit liefen dazu umfangreiche Untersuchungen auch am Senftenberger See. Denn was am Koschenkanal sichtbar wird, sei nur ein Teil des Problems. "Und das hätten wir auch ohne den Überleiter", so Bader.

Doppelte Kosten

Der Bau des Kanals, "Überleiter 12" genannt, stand unter keinem guten Stern. Statt der ausgeschriebenen 27 Millionen Euro kostete er über 50 Millionen. Bezahlt aus Landesmitteln, denn für die Sanierung des Wasserhaushaltes im Altbergbaugebiet durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) war er nicht notwendig. Deshalb wurde er ausschließlich aus Landesmitteln bezahlt.

Dass bei dem tiefen Einschnitt des Kanals in das ehemalige Bergbaugelände Eisenocker und Säure in das Kanalwasser austreten würden, war der LMBV und dem LUVG schon bei der Planung und wasserrechtlichen Genehmigung bekannt. "Deshalb ist eine Abdichtung des Kanalbodens geprüft worden", bestätigt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber.

Doch mit so einer Dichtung, die den Kanal noch teurer gemacht hätte, wäre das Ockerproblem nicht wirksam gelöst worden. Deshalb sei in Abstimmung mit dem LUVG darauf verzichtet worden. Dabei habe man sich auch auf Gutachter gestützt, so Steinhuber.

Wilfried Uhlmann vom Institut für Wasser und Boden (IWB) in Dresden hat sich 2008 im Auftrag der LMBV mit diesen Fragen befasst. Uhlmann bearbeitet seit Jahren immer wieder Gutachten zu Fragen der Eisenockerbelastung im Lausitzer Altbergbaugebiet. Er bestätigt, dass eine Abdichtung des Kanalbodens den Eisenaustritt nicht verhindert hätte: "Dann würde das eben neben der Abdichtung herauskommen."

Grundwasser drückt in See

Denn die Schleuse im Koschenkanal ist nur ein Problem. Durch den Grundwasseranstieg, der in den vergangenen Jahren in der gesamten Lausitz schneller als erwartet stattfand, haben sich auch Fließrichtungen im Erdreich verändert.

In den vergangenen Jahren floss das Grundwasser vom Senftenberger See weg in Richtung der noch nicht gefüllten Restloch-Seenkette. Jetzt drückt es mit dem allgemeinen Grundwasseranstieg von unten in den See hinein. Und mit diesem Wasser können auch Eisen und Sulfat in den seit 40 Jahren recht stabilen See gelangen. Das, so Fachleute, geschehe unabhängig vom neuen Koschenkanal. Alle diese Vorgänge untersucht Wilfried Uhlmann am IWB zurzeit gerade im Auftrag der LMBV. Dazu werden viele Messungen ausgewertet. Auch die BTU Cottbus-Senftenberg ist daran beteiligt. Nachgegangen wird dabei auch der Frage, was sich im Sommer 2013 in der Tiefe des Sees abspielte.

Damals hatten ein apathisches Verhalten der Kaltwasserforellen des Niemtscher Fischers Gunter Sell und ein bräunlicher Schaum aus abgestorbenen Pflanzen und Eisenverbindungen deutliche Signale geliefert, dass die Biologie des Sees gestört war. Messungen ergaben einen viel zu geringen Sauerstoffgehalt in sechs Metern Tiefe.

Schon damals war der Verdacht aufgekommen, es könne einen Zusammenhang zu dem kurz vorher eröffneten "Überleiter 12" geben. Im Herbst soll nun ein erster Zwischenbericht der gesamten umfangreichen Untersuchungen vorgelegt werden. "Da wird es auch Aussagen zum Handlungsbedarf geben", kündigt Gutachter Wilfried Uhlmann an. Was derzeit über den Koschenkanal an Eisenocker in den Senftenberger See gelange, schade diesem jedoch nicht, gibt er schon jetzt Entwarnung. Diese Mengen seien gering, gemessen an der Größe des Sees. Der ist seit 40 Jahren ein beliebtes Naherholungsgebiet mit zentraler Bedeutung für den Tourismus.

Schleuse spült Kanal

Volker Mielchen, Vorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg, würde deshalb zurzeit am liebsten gar nicht über den Koschenkanal und den Eisenocker reden: "Es nutzt nichts, hier die Leute verrückt zu machen."

Der Kanal würde durch die Schleusennutzung gut gespült und alles durch das LUGV überwacht. "Technisch funktioniert er und unser Konzept damit geht auf", so Mielchen. Und auf die touristische Nutzung des Senftenberger Sees habe das alles bisher keinen Einfluss.

Wie es nach Ende der Schleusensaison weitergeht? Mielchen verweist darauf, dass die Kontrollen der Wasserqualität laufen und alle damit befassten Behörden und Institutionen miteinander im Gespräch seien. Der Chef des Zweckverbandes ist auch optimistisch, dass eventuell nötige Maßnahmen zum Schutz des Senftenberger Sees nicht am Geld scheitern werden: "Ich gehe davon aus, dass man dann Lösungen finden wird."