Eisenocker dringt in den Spreewald ein

Wer dieser Tage im Spreewald unterwegs ist und in den Südumfluter schaut, reibt sich verwundert die Augen: Deutliche Braunfärbung zeugt von einer hohen Eisenbelastung. Doch wie kann das sein? Vor dem Biosphärenreservat Spreewald soll doch eine „Barriere“ den Eisenocker aufhalten. Aber nicht nur Greifenhainer Fließ und Südumfluter führen eine erhöhte Eisenfracht, nein, auch die Radduscher Kahnfahrt glänzt hässlich braun.

Was ist da los? Die ergiebigen Niederschläge der letzten Zeit führen zu einem stärkeren Abfluss, wodurch der abgesetzte Eisenhydroxidschlamm (EHS) im Greifenhainer mobilisiert wird und in den Südumfluter gelangt. Aus dem Greifenhainer Fließ wurden 100.000 m3 Schlamm ausgebaggert. Damit gelangt bei geringer Wasserführung kein EHS mehr bis zum Südumfluter. Aber die Eiseneintritte wurden nicht beseitigt. Es wurde nur Absetzraum für das immer wieder nachströmende Eisen geschaffen. Bei den gegenwertig starken Abflüssen funktioniert das nicht und Eisenocker erreicht wieder das Biosphärenreservat. Darüber hinaus sind die Absetzbecken im Eichower Fließ überfordert. Die größeren Wassermengen und das kühle Wasser führen dazu, dass die Anlage die hohen Eisenmengen nicht mehr zurückhalten kann und viel davon in das Greifenhainer Fließ strömt.

In Raddusch führt das Göritzer Mühlenfließ ebenfalls eine ungewöhnlich hohe Wassermenge. Die vor Kurzem realisierte Umleitung des Göritzer Mühlenfließes nimmt diese Mengen nicht auf und so gelangt verstärkt Eisen in die Radduscher Kahnfahrt.

Das Aktionsbündnis Klare Spree fordert erneut, dass die geplanten Maßnahmen für die Entlastung des Greifenhainer Fließes und der Radduscher Kahnfahrt endlich umgesetzt werden. Darüber hinaus kritisieren wir, dass eine Quellbehandlung der südlichen Zuflüsse des Spreewaldes nicht vorankommt. Bis zu 90 km dieser Gewässer sind quasi ökologisch tot. Dort leben keine Bachflohkrebse, keine Fische und kein Eisvogel mehr.

Doch dem Spreewald droht eine noch größere Gefahr durch die riesigen EHS-Mengen, die sich in der Talsperre Spremberg absetzen. Selbst wenn nun endlich mit der Beräumung der Vorsperre begonnen wird, landen unverändert etwa die Hälfte des EHS in der Hauptsperre. Bei einem Hochwasser sehen wir die Gefahr, dass diese Schlämme mobilisiert und ausgetragen werden. Erst im Spreewald würden sich diese dann absetzen und einen nicht vorstellbaren ökologischen Schaden verursachen. Die Beräumung auch der Hauptsperre sehen wir deshalb als unabdingbar an.

Winfried Böhmer
Sprecher ABKS