Zwischen Sachsen und Neuendorfer See sind mehr als 250 000 Menschen direkt oder indirekt von bergbaubedingtem Eisenhydroxid und Sulfateinträgen betroffen. Das ist ein sehr komplexes Problem. Hinzu kommen regionale Besonderheiten und unterschiedliche Zuständigkeiten, wenn es um Lösungen gegen die Eisenfracht in der Spree geht. Für eine fachliche Begleitung soll ein Beirat sorgen, der jetzt berufen wurde. Zu seinen 25 Mitgliedern gehören Vertreter aus Kommunen, des Bauernverbandes, Naturschutzverbänden, Behörden, unter ihnen sind auch Touristiker und engagierte Bürger. Das Büro der Kahnfährgenossenschaft Lübbenau am Großen Hafen ist der zentrale Anlaufpunkt für den Beirat. Er ist auch per E-Mail zu erreichen unter info@klare-spree.de.

Bei der konstituierenden Sitzung des Beirats, so Peter Stephan, haben die Mitglieder bereits erste Festlegungen getroffen. So ist jedermann aufgefordert, seine konkreten Bedenken, Hinweise oder Informationen zum Thema verockerte Spree bis 21. Juli der Geschäftsstelle zu übermitteln. Steffen Franke, Chef der Kahnfährgenossenschaft, sagt: "Wir müssen jetzt nicht wie ein Wissenschaftler, sondern wie ein ‚ganz normaler' Bürger denken. Denn ein Landwirt fürchtet in der Zukunft um seinen weißen Blumenkohl, ein anderer bangt um seine Fische. Der Gastronom bangt um Gäste, wenn Eisenhydroxid auf Dauer die Farbe der Spree bestimmt, der Kanuverleiher um seine Zukunft." So gebe es mit Sicherheit viele Menschen, die mit ihren Befürchtungen an dieser Besorgnisliste mitschreiben können und sollen.

Das Material wird gesichtet und zum Anlass genommen, das weitere Vorgehen mit einer nationalen Umweltorganisation zu beraten. "Unser Ziel ist, eine unabhängige Gefahrenprognose zu erarbeiten", sagt Sprecher Peter Stephan. Für November dieses Jahres sei zudem geplant, dass Vertreter der Landesregierung, der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) und von Vattenfall Bürgern Rede und Antwort stehen und sie beraten.

Auf Antrag der Spremberger Vertreter fordert der Beirat, dass umgehend damit begonnen werden soll, die Haupt- und Vorsperre der Talsperre Spremberg zu beräumen. Mit den am 1. August beginnenden Bauarbeiten an der Talsperre und den damit verbundenen Wasserabsenkungen, so Peter Stephan, bestünden optimale Voraussetzungen für eine Sanierung. Es gehe darum, Tausende Kubikmeter eisenhydroxidhaltigen Schlamm zu beseitigen.

Sorgen treiben den Beirat außerdem zur bevorstehenden Flutung des ehemaligen Tagebaus Cottbus-Nord zum Ostsee um. Das Eisenhydroxid direkt vor der Haustür des Spreewalds könnte ohne eine Zwischensperre wie in Spremberg das Unesco-Biosphärenreservat belasten. Deshalb regt der Beirat eine belastbare unabhängige Studie dazu an.

Erst wenige Tage alt, hat der Beirat schon die erste Spende überreicht bekommen. 1200 Euro übergab Steffen Franke von der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens.